Heute habe ich einen gesehen. Einen Wohncontainer, mitten in Potsdam. Giftgrün angemalt, mit einer konsequenten Glasfront und einem gemütlichen hellen Sitzbereich. Sah toll aus! Ein wenig industrieller Charme hat der Zukunft noch nie geschadet, finde ich. Das sieht auch der Gründer von „Containerwerk“, Ivan Mallinowski, so. Seine Idee ist nicht neu, aber raffiniert. Denn Ivan Mallinowski will das Wohnen revolutionieren. Mit seiner Umnutzung von ausgedienten Großraumbehältern sowie der Aufbereitung zu preiswerten bezugsfertigen Wohnmodulen möchte das 2017 gegründete Start-up Containerwerk gleich einer ganzen Reihe von zeitaktuellen Herausforderungen begegnen. Dazu gehören etwa Wohnungsknappheit, Platzmangel, Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung. Der Firmengründung gingen lange Entwicklungsprozesse voraus, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Fraunhofer-Institut erarbeitet wurden. Daraus ist eine echte Wohnalternative entstanden, die auch noch gemütlich daherkommt. Gemütlich und Container hört sich für mich nach einem waschechten Oxymoron an. Aber genau dieser Widerspruch macht es so interessant. Der klobige und schwere Container, so wie ich ihn kenne, nämlich in rostbraun oder maximal blau, passt erst einmal so gar nicht in meine Vorstellung vom hippen und besseren Wohnen.

CONTAINER LOVE –
SEXY WOHNEN IN STAHL

Category: Living     Text: Angela Peltner
Heute habe ich einen gesehen. Einen Wohncontainer, mitten in Potsdam. Giftgrün angemalt, mit einer konsequenten Glasfront und einem gemütlichen hellen Sitzbereich. Sah toll aus! Ein wenig industrieller Charme hat der Zukunft noch nie geschadet, finde ich. Das sieht auch der Gründer von „Containerwerk“, Ivan Mallinowski, so. Seine Idee ist nicht neu, aber raffiniert. Denn Ivan Mallinowski will das Wohnen revolutionieren. Mit seiner Umnutzung von ausgedienten Großraumbehältern sowie der Aufbereitung zu preiswerten bezugsfertigen Wohnmodulen möchte das 2017 gegründete Start-up Containerwerk gleich einer ganzen Reihe von zeitaktuellen Herausforderungen begegnen. Dazu gehören etwa Wohnungsknappheit, Platzmangel, Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung. Der Firmengründung gingen lange Entwicklungsprozesse voraus, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Fraunhofer-Institut erarbeitet wurden. Daraus ist eine echte Wohnalternative entstanden, die auch noch gemütlich daherkommt. Gemütlich und Container hört sich für mich nach einem waschechten Oxymoron an. Aber genau dieser Widerspruch macht es so interessant. Der klobige und schwere Container, so wie ich ihn kenne, nämlich in Rostbraun oder maximal Blau, passt erst einmal so gar nicht in meine Vorstellung vom hippen und besseren Wohnen.

Wie Tetris spielen: Die Container können beliebig auf-, über- und nebeneinander gestapelt werden. Fotos: Stefan Hohloch
PIMP MY CONTAINER
Darum bietet Containerwerk seine „Metall-Cubes“ auch in „sexy“ an. Die Bilder von den Musterbeispielen sehen Hammer aus. Sie haben mich ein wenig an „Tetris“ erinnert. Denn die „Cubes“ sind zuallererst mobil. Man kann sie stapeln oder ab auch leicht versetzt über- und nebeneinandersetzen. Sie sind wie Module, die aufbaubar, abnehmbar und verschiebbar sind. Der Fantasie vom eigenen Traumheim sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ob mit Glasfront, oder Laubengang. Mit Holzverkleidung oder ohne. Ob in Mint, Rosa, Himmelblau. Völlig egal. Hauptsache individuell. Hauptsache maximaler Wohnfühlflavour. Man könnte den ausrangierten und aufgepimpten Seefrachtcontainer quasi fast überall hinstellen, solange in der Nähe ein Wasser- und Stromanschluss ist. Aber der Container hat eine große Schwachstelle. Er wird nicht alt. Das Durchschnittsalter eines Seefrachtcontainers beträgt gerade einmal 13 Jahre, bis er ein nutzloser Metallhaufen wird. Darum ist diese Metamorphose von einem Container, der einst zerbrechliche Ware unbeschadet durch jeden Hochseesturm gebracht hat, hin zu einem Container, der als Wohnraum zur Verfügung steht ein echter Clou. Zweckentfremdet von der natürlichen Örtlichkeit des Hafens und des Schiffes, hin zur Stadtmitte, der Peripherie, in jedem Fall integriert ins Leben. Zweckentfremdet als reines Transportmittel, hin zum nachhaltigen Lebensraum, zum Beispiel als Seniorenheim, als Studentenbutze oder Einfamilienhaushalt.

Sonnenplätzchen: Durch die Verknüpfung zweier Seefrachtcontainer entsteht ein großzügiger Wohn- und Außenbereich. Fotos: Stefan Hohloch
IT’S ALL ABOUT ISOLIERUNG
Warum das mit der Symbiose zwischen Container und Wohnen erst jetzt so richtig Fahrt aufnimmt, liegt an den zwei großen Problemen, die so ein Stahlkoloss mit sich bringt. Denn zum gemütlichen Wohnen gehört Ruhe von drinnen und von draußen und natürlich ein angenehmes Raumklima.
Und genau an dem Punkt hebt sich Containerwerk mit seinem patentierten Verfahren von allen anderen Mitbewerbern ab. Sie haben es geschafft, Wärmeisolierung und Lärmisolierung gekonnt und effizient umzusetzen. Und die Lösung war ganz einfach. Ja, manchmal darf und muss die Lösung ganz klein sein. Nämlich 10 Zentimeter monolithische Isolierung, die in einem industriellen Verfahren, mit ausschließlich recycelbaren Materialien hergestellt wurde. Wichtig dabei ist auch, dass die Wärmekonstruktion ohne sogenannte Wärmebrücken auskommt, die normalerweise zu Rost und Schimmelrückständen führen würden, da sich in ihnen sogenanntes Schwitzwasser ansammelt, was eine Wohnsituation unmöglich machen würde. Der klare Wettbewerbsvorteil von Containerwerk liegt in der schlanken Hochleistungsdämmung. Durch dieses patentierte Verfahren werden an jeder Containerseite circa 25 Zentimeter gewonnen. Bei der Konkurrenz hat der Innenraum eine durchschnittliche Breite von gerade einmal 1,80 Meter, bei Containerwerk sind es stolze 50 Zentimeter mehr. Die 2,32 Meter Breite macht dieses Stahlobjekt so lukrativ und lebenswert. In der Höhe sind die Container in etwa gleich groß und mit ihren knapp über 2,40 Meter also auch für große Menschen geeignet. Sowieso wird immer wieder dafür geworben, dass man in einem Container das Gefühl hat, in einem richtigen Haus zu sitzen.

Stahlriese: Der Container kann nach seiner Ausrangierung zum individuellen Wohnbereich umfunktioniert werden. Foto: Stefan Hohloch
FUTURE IS LIVING IN A CUBE
Ivan Mallinowski und seinen Mitbegründern ist es ganz wichtig, nichts übers Knie zu brechen. Als sie 2017 angefangen haben, Container zu verkaufen, haben sie gedacht, dass es lediglich ein Serienprodukt für Studentenwohnheime, Hotelprojekte oder Mitarbeiterwohnungen werden würde. Sie haben eher auf größere Unternehmen gesetzt, als in ein Familien-Wohn-Model. Doch das Projekt, dass am Anfang so viel Eigenkapital geschluckt hat, hat sich mittlerweile verselbständigt. Und auch die Gründer haben erst mit dem Prozess das große Potential der Stahlriesen erkannt und wagen von einer Zukunft zu träumen, in der Stahl und Wohnkomfort ganz normal sein werden. In jeder Stadt, in jedem Land. Gerade erst wurde eine sogenannte „Container-Insel“ nach Costa Rica verfrachtet. Mit eigenem Wasser und Stromanschluss. Wieder ein neuer Meilenstein für den Stahldinosaurier. Und aus der Ferne singt Philipp Boa:

container love, the years have passed, the rainbow shows
he fell in love, not far from there, decation grows

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By |2019-06-06T12:35:45+00:00April 10th, 2019|Angela Peltner, LIVING, Living_Highlight|Kommentare deaktiviert für CONTAINER LOVE – SEXY WOHNEN IN STAHL