Eine Heuschrecke auf dem Teller könnte schon in naher Zukunft bei den meisten von uns für Entzücken statt für Entsetzen sorgen. Die ersten Gourmets in Europas gehen heute voran, in manchen Teilen dieser Welt gehören Insekten längst schon zum Standard-Inventar auf der Speisekarte. Eine Annäherung.

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DAS GROßE KRABBELN
IN EUROPAS GOURMETKÜCHEN

Text by Marco Voigt
Nahrhaftes Future Food: Essbare Insekten erobern die Schweizer Supermärkte In Asien ist es längst üblich – nun freunden sich auch die Europäer mit dem Insektenessen an. Schweizer und Belgier gehen vor.
Seit einigen Monaten dürfen in der Schweiz legal Insekten auf den Teller kommen. „Insekten als Lebensmittel sind illegal?“, fragt sich an dieser Stelle jetzt vielleicht der ein oder andere. Die Antwort lautet: Ja! Außer in Belgien und nun ebenfalls in der Schweiz, sind Lebensmittel aus Insekten in Europa bisher nicht zugelassen. In der EU fallen Insekten unter die EG-Verordnung Nr. 258/97 für 🐜 neuartige Lebensmittel und erfreuen sich strenger Reglementierung.
Warum werden Insekten in Europa eher abgelehnt?
Das liegt zum einen an der traditionellen Lebensweise 🐜 der Europäer und da, anders als zum Beispiel in Asien, die hiesigen Nahrungsgewohnheiten anderen kulturellen Vorgaben folgen. Dabei ist der Verzehr von Insekten deutlich nachhaltiger als jedes steakreiche Barbecue – obwohl man sich auch hier auf dem Terrain der Carnivoren bewegt – den Fleischessern also.
Zu Unrecht, denn: Insekten sind proteinhaltig und reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Außerdem: In Insekten sind kaum Kohlenhydrate oder Fette enthalten. Es gibt laut dem Bericht der Welternährungsorganisation FAO “Humans Bite Back” weltweit mehr als 1400 essbare Insektenarten. Doch was ist an der Insektenzucht “nachhaltig”? Gesetzt den Fall, man würde jede Rinderzucht durch Insektenzucht ersetzen, hätte man schon allein aufgrund der Platzersparnis und den verringerten Treibhausgasen einen deutlichen Vorteil für den Planeten zu erwarten.

In Thailand zum Beispiel wächst das Geschäft mit den Insekten stetig:
Seit 1999 werden Insekten nicht nur auf Feldern und in Wäldern gesammelt;
sie können auch mit einfachsten Mitteln auf Farmen herangezüchtet werden.

Das Problem bei industrieller Züchtung in zivilisierten Ländern begründet sich allerdings vor allem in dem 🐜 Einsatz von Medikamenten (ähnlich wie bei der künstlichen Anzucht von Gemüse), da die Zucht in deutlich größerem Umfang geschehen müsste, als es traditionell in Thailand heute praktiziert wird. Des Weiteren sind die Inhaltstoffe in solchen Insekten oft schwer herauszufiltern; auch das Risiko einer Übertragung von Krankheiten ist bei den meisten Spezies oft nicht abschließend geklärt.
Drei Arten von Insekten sind erhältlich
Daher importiert man die Insekten bisher noch: Die Schweiz holt Produkte aus Mehlwürmen im Larvenstadium, Grillen und Wanderheuschrecken in die Supermärkte. Somit wird es die exotischen Lebensmittel jetzt nicht mehr nur im Restaurant an der „geheimen Adresse“ geben; sie werden 🐜 für jeden Verbraucher frei käuflich sein. Zu diesem Zweck müssen die Insekten bei der Herstellung tiefgefroren und erhitzt werden – so lassen sich alle vegetativen Keime abtöten. Außerdem müssen die aus Insekten hergestellten Produkte mit einer korrekten Sachbezeichnung und einem Allergenhinweis versehen sein.
Und jetzt? Werden wir alle zu Insektenessern?
Ob Insekten in der Zukunft unseren Speiseplan ergänzen oder gar ersetzen, das ist fraglich. Auf den westlichen Kontinenten ist das Insektenessen jedenfalls noch eher ein Schauspiel denn Gewohnheit. 🐜

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DAS GROßE KRABBELN
IN EUROPAS GOURMETKÜCHEN

Text by Marco Voigt
Nahrhaftes Future Food: Essbare Insekten erobern die Schweizer Supermärkte. In Asien ist es längst üblich – nun freunden sich auch die Europäer mit dem Insektenessen an. Schweizer und Belgier gehen vor.
Seit einigen Monaten dürfen in der Schweiz legal Insekten auf den Teller kommen. „Insekten als Lebensmittel sind illegal?“, fragt sich an dieser Stelle jetzt vielleicht der ein oder andere. Die Antwort lautet: Ja! Außer in Belgien und nun ebenfalls in der Schweiz, sind Lebensmittel aus Insekten in Europa bisher nicht zugelassen. In der EU fallen Insekten unter die EG-Verordnung Nr. 258/97 für 🐜 neuartige Lebensmittel und erfreuen sich strenger Reglementierung.
Warum werden Insekten in Europa eher abgelehnt?
Das liegt zum einen an der traditionellen Lebensweise 🐜 der Europäer und da, anders als zum Beispiel in Asien, die hiesigen Nahrungsgewohnheiten anderen kulturellen Vorgaben folgen. Dabei ist der Verzehr von Insekten deutlich nachhaltiger als jedes steakreiche Barbecue – obwohl man sich auch hier auf dem Terrain der Carnivoren bewegt – den Fleischessern also.
Zu Unrecht, denn: Insekten sind proteinhaltig und reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Außerdem: In Insekten sind kaum Kohlenhydrate oder Fette enthalten. Es gibt laut dem Bericht der Welternährungsorganisation FAO “Humans Bite Back” weltweit mehr als 1400 essbare Insektenarten. Doch was ist an der Insektenzucht “nachhaltig”? Gesetzt den Fall, man würde jede Rinderzucht durch Insektenzucht ersetzen, hätte man schon allein aufgrund der Platzersparnis und den verringerten Treibhausgasen einen deutlichen Vorteil für den Planeten zu erwarten.

In Thailand zum Beispiel wächst das Geschäft
mit den Insekten stetig: Seit 1999 werden Insekten
nicht nur auf Feldern und in Wäldern gesammelt;
sie können auch mit einfachsten Mitteln auf
Farmen herangezüchtet werden.

Das Problem bei industrieller Züchtung in zivilisierten Ländern begründet sich allerdings vor allem in dem 🐜 Einsatz von Medikamenten (ähnlich wie bei der künstlichen Anzucht von Gemüse), da die Zucht in deutlich größerem Umfang geschehen müsste, als es traditionell in Thailand heute praktiziert wird. Des Weiteren sind die Inhaltstoffe in solchen Insekten oft schwer herauszufiltern; auch das Risiko einer Übertragung von Krankheiten ist bei den meisten Spezies oft nicht abschließend geklärt.
Drei Arten von Insekten sind erhältlich
Daher importiert man die Insekten bisher noch: Die Schweiz holt Produkte aus Mehlwürmen im Larvenstadium, Grillen und Wanderheuschrecken in die Supermärkte. Somit wird es die exotischen Lebensmittel jetzt nicht mehr nur im Restaurant an der „geheimen Adresse“ geben; sie werden 🐜 für jeden Verbraucher frei käuflich sein. Zu diesem Zweck müssen die Insekten bei der Herstellung tiefgefroren und erhitzt werden – so lassen sich alle vegetativen Keime abtöten. Außerdem müssen die aus Insekten hergestellten Produkte mit einer korrekten Sachbezeichnung und einem Allergenhinweis versehen sein.
Und jetzt? Werden wir alle zu Insektenessern?
Ob Insekten in der Zukunft unseren Speiseplan ergänzen oder gar ersetzen, das ist fraglich. Auf den westlichen Kontinenten ist das Insektenessen jedenfalls noch eher ein Schauspiel denn Gewohnheit. 🐜

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IN EUROPAS GOURMETKÜCHEN

Category: Taste
Nahrhaftes Future Food: Essbare Insekten erobern die Schweizer Supermärkte. In Asien ist es längst üblich – nun freunden sich auch die Europäer mit dem Insektenessen an. Schweizer und Belgier gehen vor.
Seit einigen Monaten dürfen in der Schweiz legal Insekten auf den Teller kommen. „Insekten als Lebensmittel sind illegal?“, fragt sich an dieser Stelle jetzt vielleicht der ein oder andere. Die Antwort lautet: Ja! Außer in Belgien und nun ebenfalls in der Schweiz, sind Lebensmittel aus Insekten in Europa bisher nicht zugelassen. In der EU fallen Insekten unter die EG-Verordnung Nr. 258/97 für 🐜 neuartige Lebensmittel und erfreuen sich strenger Reglementierung.
Warum werden Insekten in Europa eher abgelehnt?
Das liegt zum einen an der traditionellen Lebensweise 🐜 der Europäer und da, anders als zum Beispiel in Asien, die hiesigen Nahrungsgewohnheiten anderen kulturellen Vorgaben folgen. Dabei ist der Verzehr von Insekten deutlich nachhaltiger als jedes steakreiche Barbecue – obwohl man sich auch hier auf dem Terrain der Carnivoren bewegt – den Fleischessern also.
Zu Unrecht, denn: Insekten sind proteinhaltig und reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Außerdem: In Insekten sind kaum Kohlenhydrate oder Fette enthalten. Es gibt laut dem Bericht der Welternährungsorganisation FAO “Humans Bite Back” weltweit mehr als 1400 essbare Insektenarten. Doch was ist an der Insektenzucht “nachhaltig”? Gesetzt den Fall, man würde jede Rinderzucht durch Insektenzucht ersetzen, hätte man schon allein aufgrund der Platzersparnis und den verringerten Treibhausgasen einen deutlichen Vorteil für den Planeten zu erwarten.

In Thailand zum Beispiel wächst das Geschäft
mit den Insekten stetig: Seit 1999 werden Insekten
nicht nur auf Feldern und in Wäldern gesammelt;
sie können auch mit einfachsten Mitteln auf
Farmen herangezüchtet werden.

Das Problem bei industrieller Züchtung in zivilisierten Ländern begründet sich allerdings vor allem in dem 🐜 Einsatz von Medikamenten (ähnlich wie bei der künstlichen Anzucht von Gemüse), da die Zucht in deutlich größerem Umfang geschehen müsste, als es traditionell in Thailand heute praktiziert wird. Des Weiteren sind die Inhaltstoffe in solchen Insekten oft schwer herauszufiltern; auch das Risiko einer Übertragung von Krankheiten ist bei den meisten Spezies oft nicht abschließend geklärt.
Drei Arten von Insekten sind erhältlich
Daher importiert man die Insekten bisher noch: Die Schweiz holt Produkte aus Mehlwürmen im Larvenstadium, Grillen und Wanderheuschrecken in die Supermärkte. Somit wird es die exotischen Lebensmittel jetzt nicht mehr nur im Restaurant an der „geheimen Adresse“ geben; sie werden 🐜 für jeden Verbraucher frei käuflich sein. Zu diesem Zweck müssen die Insekten bei der Herstellung tiefgefroren und erhitzt werden – so lassen sich alle vegetativen Keime abtöten. Außerdem müssen die aus Insekten hergestellten Produkte mit einer korrekten Sachbezeichnung und einem Allergenhinweis versehen sein.
Und jetzt? Werden wir alle zu Insektenessern?
Ob Insekten in der Zukunft unseren Speiseplan ergänzen oder gar ersetzen, das ist fraglich. Auf den westlichen Kontinenten ist das Insektenessen jedenfalls noch eher ein Schauspiel denn Gewohnheit. 🐜

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By |2018-04-04T16:49:03+00:00August 25th, 2017|TASTE|Kommentare deaktiviert für Das große Krabbeln bei Europas Gourmets