Wenn ich meine Familie in der Heimat besuche, machen wir als erstes einen Rundgang durch den Garten. Mein Vater spricht liebevoll mit seinen Tomaten und präsentiert voller Stolz sein neues Hochbeet. Mit den Worten „was Besseres gibt’s gar nicht“, sticht er mir jedes Mal einen frischen Salat aus der feuchten Erde.

Zurück in der großen Stadt frage ich mich, woher mein tägliches Grünzeug eigentlich kommt. Wie viele Kilometer ist es wohl gefahren, bevor es gewaschen und gezupft auf meinem Teller landet? Wie kann man ländlichen Ackerbau und ein urbanes Leben vereinen? Diese Fragen haben sich auch Industriedesigner Max Richter und Biotechnologe Henrik Jobczyk, die beiden Gründer von Neofarms gestellt. Die Antwort lieferte eine Technologie der NASA: Das Verfahren der Aeroponik ermöglicht den Anbau von Pflanzen ohne Erde.

Jetzt ham‘ wir den Salat – Mit Grünzeug aus dem High-Tech Schrank

Wenn ich meine Familie in der Heimat besuche, machen wir als erstes einen Rundgang durch den Garten. Mein Vater spricht liebevoll mit seinen Tomaten und präsentiert voller Stolz sein neues Hochbeet. Mit den Worten „was Besseres gibt’s gar nicht“, sticht er mir jedes Mal einen frischen Salat aus der feuchten Erde.
Zurück in der großen Stadt frage ich mich, woher mein tägliches Grünzeug eigentlich kommt. Wie viele Kilometer ist es wohl gefahren, bevor es gewaschen und gezupft auf meinem Teller landet? Wie kann man ländlichen Ackerbau und ein urbanes Leben vereinen? Diese Fragen haben sich auch Industriedesigner Max Richter und Biotechnologe Henrik Jobczyk, die beiden Gründer von Neofarms gestellt. Die Antwort lieferte eine Technologie der NASA: Das Verfahren der Aeroponik ermöglicht den Anbau von Pflanzen ohne Erde.

Gemüse der Zukunft: Ein vollautomatischer Gewächsschrank für die urbane Selbstversorgung.
VON DEN WEITEN DES ALLS IN DIE EINBAUKÜCHE
Was im Weltraum funktioniert, klappt also auch in der heimischen Küche, dachten sich die beiden Jungunternehmer. Das Ergebnis: ein vollautomatisches Indoor Gewächshaus. Einen grünen Daumen muss man also hierfür nicht haben. Denn Dank der ausgefeilten Technologie kontrolliert der Gewächsschrank seinen Nährstoff-, Wasser- und Lichthaushalt selbstständig. Zwischen Wurzel und Blattgrün befindet sich eine Membranschicht, die einen Nährstoff-Nebel für die Wurzeln erzeugt, die knackigen Köpfe recken sich einem künstlichen LED-Licht entgegen. Am Tag produziert der Schrank 80 bis 100 Gramm Salat, also rund 30 bis 40 Kilogramm im Jahr. Der aktuelle Prototyp von Neofarms hat die Größe eines Kühlschranks und besteht aus sieben Ebenen, auf denen etwa Tomaten, Kopfsalat oder Möhren wachsen. Man muss sich also nur entscheiden, was man anbauen möchte – der Rest läuft von allein. Falls die Pflänzchen doch mal menschliche Hilfe benötigten, erfolgt eine Benachrichtigung via personalisierter App. Auf relativ kleinem Raum integriert sich demnach der Mini-Garten als ein Element der modernen Küche und versorgt seine Besitzer mit frischen und pestizidfreien Gemüse.

NASA-Zimmerpflanzen: Max Richter bringt mit seinen Kollegen von „Neofarms“ Weltraumtechnologie in die Stadtwohnung.
DER ACKER IN DER STADT
Was Neofarms in der Küche macht, betreibt die Firma infarm im großen Stil. Mitten in Berlin stehen die vertikalen Äcker der Firma. Hier sitzt das junge Grün, ganz im Stil der hängenden Gärten von Babylon, in einem abgeschlossenen Bewässerungssystem. Das Wasser fließt von oben nach unten, tränkt dabei jede Etage und wird dann wieder hinaufgepumpt. Mittels einer Software wird der Wuchs der Pflanzen beobachtet und verbessert. Infarm konzentriert sich auf den technologischen Ausbau der Software und den Vertrieb des vertikalen Anbaus in Restaurantküchen.
Wer sich selbst überzeugen möchte, kann im Restaurant Good Bank in Berlin Mitte probieren, was aus den Regalen kommt. Hier kann man frisch gezupfte Salate direkt aus den vertikalen Gärten hinter dem Tresen genießen. Kleinere Versionen der modernen Gewächshäuser stehen bereits in ausgewählten Supermärkten. Obwohl das ganze weit entfernt von einem Biobauerhof steht und aussieht wie das Labor eines Raumschiffes, ist es absolut ökologisch. Zukünftig können so lange Lieferwege vermieden und die Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Durch den direkten Verzehr nach der Ernte sind Obst und Gemüse nährstoffreicher und geschmacksintensiver als frische Produkte aus dem Supermarkt.

Frisch aus dem High-Tech-Schrank: Vertikale Gärten sollen bald vermehrt in Restaurant- und Hotelküchen stehen. (Foto: Good Bank)
BIO OHNE ERDE?
Einen Haken gibt es allerdings: Obwohl keine Pestizide oder Chemikalien zur Zucht des zarten Grüns verwendet werden, bekommt das Gemüse bislang kein Biosiegel. Die Salate wachsen nicht in Erde, weshalb sie die Kriterien für das streng zertifizierte Siegel nicht erfüllen. Für uns kein Problem, denn dafür schmecken sie viel zu gut. Ob sich diese Salatvarianten zukünftig auch in Restaurants, Küchen und Hotels durchsetzen werden? Mein Vater wird wohl noch eine Weile seinen Garten bevorzugen und den fürsorglichen Tomatenflüsterer geben. Aber auch bei mir in der Stadt werde ich nun mit frischem Grün versorgt und weiß, woher es kommt. Der Weg vom Küchenregal auf den Teller wurde revolutioniert und wer weiß, was es demnächst noch aus den High-Tech Beeten geben wird. Es bleibt spannend!

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Jetzt ham‘ wir den Salat –
Mit Grünzeug aus dem High-Tech Schrank

Wenn ich meine Familie in der Heimat besuche, machen wir als erstes einen Rundgang durch den Garten. Mein Vater spricht liebevoll mit seinen Tomaten und präsentiert voller Stolz sein neues Hochbeet. Mit den Worten „was Besseres gibt’s gar nicht“, sticht er mir jedes Mal einen frischen Salat aus der feuchten Erde.
Zurück in der großen Stadt frage ich mich, woher mein tägliches Grünzeug eigentlich kommt. Wie viele Kilometer ist es wohl gefahren, bevor es gewaschen und gezupft auf meinem Teller landet? Wie kann man ländlichen Ackerbau und ein urbanes Leben vereinen? Diese Fragen haben sich auch Industriedesigner Max Richter und Biotechnologe Henrik Jobczyk, die beiden Gründer von Neofarms gestellt. Die Antwort lieferte eine Technologie der NASA: Das Verfahren der Aeroponik ermöglicht den Anbau von Pflanzen ohne Erde.

Gemüse der Zukunft: Ein vollautomatischer Gewächsschrank für die urbane Selbstversorgung.
VON DEN WEITEN DES ALLS IN DIE EINBAUKÜCHE
Was im Weltraum funktioniert, klappt also auch in der heimischen Küche, dachten sich die beiden Jungunternehmer. Das Ergebnis: ein vollautomatisches Indoor Gewächshaus. Einen grünen Daumen muss man also hierfür nicht haben. Denn Dank der ausgefeilten Technologie kontrolliert der Gewächsschrank seinen Nährstoff-, Wasser- und Lichthaushalt selbstständig. Zwischen Wurzel und Blattgrün befindet sich eine Membranschicht, die einen Nährstoff-Nebel für die Wurzeln erzeugt, die knackigen Köpfe recken sich einem künstlichen LED-Licht entgegen. Am Tag produziert der Schrank 80 bis 100 Gramm Salat, also rund 30 bis 40 Kilogramm im Jahr. Der aktuelle Prototyp von Neofarms hat die Größe eines Kühlschranks und besteht aus sieben Ebenen, auf denen etwa Tomaten, Kopfsalat oder Möhren wachsen. Man muss sich also nur entscheiden, was man anbauen möchte – der Rest läuft von allein. Falls die Pflänzchen doch mal menschliche Hilfe benötigten, erfolgt eine Benachrichtigung via personalisierter App. Auf relativ kleinem Raum integriert sich demnach der Mini-Garten als ein Element der modernen Küche und versorgt seine Besitzer mit frischen und pestizidfreien Gemüse.

NASA-Zimmerpflanzen: Max Richter bringt mit seinen Kollegen von „Neofarms“ Weltraumtechnologie in die Stadtwohnung.
DER ACKER IN DER STADT
Was Neofarms in der Küche macht, betreibt die Firma infarm im großen Stil. Mitten in Berlin stehen die vertikalen Äcker der Firma. Hier sitzt das junge Grün, ganz im Stil der hängenden Gärten von Babylon, in einem abgeschlossenen Bewässerungssystem. Das Wasser fließt von oben nach unten, tränkt dabei jede Etage und wird dann wieder hinaufgepumpt. Mittels einer Software wird der Wuchs der Pflanzen beobachtet und verbessert. Infarm konzentriert sich auf den technologischen Ausbau der Software und den Vertrieb des vertikalen Anbaus in Restaurantküchen.
Wer sich selbst überzeugen möchte, kann im Restaurant Good Bank in Berlin Mitte probieren, was aus den Regalen kommt. Hier kann man frisch gezupfte Salate direkt aus den vertikalen Gärten hinter dem Tresen genießen. Kleinere Versionen der modernen Gewächshäuser stehen bereits in ausgewählten Supermärkten. Obwohl das ganze weit entfernt von einem Biobauerhof steht und aussieht wie das Labor eines Raumschiffes, ist es absolut ökologisch. Zukünftig können so lange Lieferwege vermieden und die Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Durch den direkten Verzehr nach der Ernte sind Obst und Gemüse nährstoffreicher und geschmacksintensiver als frische Produkte aus dem Supermarkt.

Frisch aus dem High-Tech-Schrank: Vertikale Gärten sollen bald vermehrt in Restaurant- und Hotelküchen stehen. (Foto: Good Bank)
BIO OHNE ERDE?
Einen Haken gibt es allerdings: Obwohl keine Pestizide oder Chemikalien zur Zucht des zarten Grüns verwendet werden, bekommt das Gemüse bislang kein Biosiegel. Die Salate wachsen nicht in Erde, weshalb sie die Kriterien für das streng zertifizierte Siegel nicht erfüllen. Für uns kein Problem, denn dafür schmecken sie viel zu gut. Ob sich diese Salatvarianten zukünftig auch in Restaurants, Küchen und Hotels durchsetzen werden? Mein Vater wird wohl noch eine Weile seinen Garten bevorzugen und den fürsorglichen Tomatenflüsterer geben. Aber auch bei mir in der Stadt werde ich nun mit frischem Grün versorgt und weiß, woher es kommt. Der Weg vom Küchenregal auf den Teller wurde revolutioniert und wer weiß, was es demnächst noch aus den High-Tech Beeten geben wird. Es bleibt spannend!

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Zurück in der großen Stadt frage ich mich, woher mein tägliches Grünzeug eigentlich kommt. Wie viele Kilometer ist es wohl gefahren, bevor es gewaschen und gezupft auf meinem Teller landet? Wie kann man ländlichen Ackerbau und ein urbanes Leben vereinen? Diese Fragen haben sich auch Industriedesigner Max Richter und Biotechnologe Henrik Jobczyk, die beiden Gründer von Neofarms gestellt. Die Antwort lieferte eine Technologie der NASA: Das Verfahren der Aeroponik ermöglicht den Anbau von Pflanzen ohne Erde.

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Wer sich selbst überzeugen möchte, kann im Restaurant Good Bank in Berlin Mitte probieren, was aus den Regalen kommt. Hier kann man frisch gezupfte Salate direkt aus den vertikalen Gärten hinter dem Tresen genießen. Kleinere Versionen der modernen Gewächshäuser stehen bereits in ausgewählten Supermärkten. Obwohl das ganze weit entfernt von einem Biobauerhof steht und aussieht wie das Labor eines Raumschiffes, ist es absolut ökologisch. Zukünftig können so lange Lieferwege vermieden und die Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Durch den direkten Verzehr nach der Ernte sind Obst und Gemüse nährstoffreicher und geschmacksintensiver als frische Produkte aus dem Supermarkt.

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Einen Haken gibt es allerdings: Obwohl keine Pestizide oder Chemikalien zur Zucht des zarten Grüns verwendet werden, bekommt das Gemüse bislang kein Biosiegel. Die Salate wachsen nicht in Erde, weshalb sie die Kriterien für das streng zertifizierte Siegel nicht erfüllen. Für uns kein Problem, denn dafür schmecken sie viel zu gut. Ob sich diese Salatvarianten zukünftig auch in Restaurants, Küchen und Hotels durchsetzen werden? Mein Vater wird wohl noch eine Weile seinen Garten bevorzugen und den fürsorglichen Tomatenflüsterer geben. Aber auch bei mir in der Stadt werde ich nun mit frischem Grün versorgt und weiß, woher es kommt. Der Weg vom Küchenregal auf den Teller wurde revolutioniert und wer weiß, was es demnächst noch aus den High-Tech Beeten geben wird. Es bleibt spannend!

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By |2018-10-25T11:45:59+00:00Oktober 8th, 2018|TASTE|Kommentare deaktiviert für Jetzt ham‘ wir den Salat – Mit Grünzeug aus dem High-Tech Schrank