Er ist der Thomas Edison der Neuzeit, einer, der wie kein anderer Elektrizität und Licht mit Ästhetik und Sensitivität in Einklang bringt. Der Niederländer Daan van Roosegaarde ist einer der bekanntesten Innovatoren der Welt. Roosegaarde verknüpft fortschrittlichste Lichttechnik mit menschlichen Berührungen. Dabei herausgekommen sind außergewöhnliche Kunstwerke, auf die die ganze Welt schaut.

Wo Licht ist,
ist auch Daan
van Roosegaarde

Er ist der Thomas Edison der Neuzeit, einer, der wie kein anderer Elektrizität und Licht mit Ästhetik und Sensitivität in Einklang bringt. Der Niederländer Daan van Roosegaarde ist einer der bekanntesten Innovatoren der Welt. Roosegaarde verknüpft fortschrittlichste Lichttechnik mit menschlichen Berührungen. Dabei herausgekommen sind außergewöhnliche Kunstwerke, auf die die ganze Welt schaut.
Solarfarbe auf Beton: Auf den Spuren von Vincent van Gogh
Es ist wohl sein bekanntestes Projekt: In der Nähe der niederländischen Stadt Neunen bei Eindhoven, wo der Maler Vincent van Gogh im Jahr 1883 gelebt hat, leuchtet ein Fahrradweg. Inspiriert von Van Goghs Gemälde „Sternennacht“, das seit 1941 im Besitz des Museum of Modern Art in New York ist und dort unter dem Titel „Starry Night“ gezeigt wird, hat Roosegaarde einen Van-Gogh-Radweg kreiert, der aus 50.000 fluoreszierenden Sternchen besteht und Radfahrern bei Dunkelheit den Weg weisen soll.
Der 600 Meter lange beleuchtete Fahrradweg befindet sich in dem Gebiet, von dem sich Van Gogh früher inspirieren ließ und in dem ein großer Teil seines Werks entstanden ist. So malte der Künstler hier nicht nur sein erstes Meisterwerk „Die Kartoffelesser“, sondern auch die Opwetten- und die Coll-Wassermühle. Genau zwischen diesen beiden Mühlen verläuft nun dieser einzigartige Fahrradweg.
Das Kunstprojekt der präparierten „Sternennacht auf Beton“ ist Teil der Reihe „Smart Highways“. Zu ihr zählen auch die „Glowing Lines“: Mittels photolumineszenter Farbe leuchten nun nachts die Fahrbahnstreifen auf einem Streckenabschnitt der niederländischen Autobahn N 329, der durch die Stadt Oss verläuft, in einem bläulichen Grün. Mit all diesen Aktionen will der Niederländer mit zusätzlicher Beleuchtung nicht nur triste Straßen verschönern, sondern auch sicherer machen.
Mindestens genauso wichtig ist Roosegaarde der Nachhaltigkeitsfaktor: Bei der für seine Projekte verwendeten Farbe handelt es sich um Solarfarbe, die sich tagsüber durch Sonnenlicht auflädt und dann bis zu acht Stunden leuchtet. Der Anspruch ist hoch. Und er ist gelungen: Roosegaardes Name steht für die Vereinigung von Design, Sicherheit und Klimaschutz.
Mit der Eröffnung der Van-Gogh-Fahrradroute am 13. November 2016 eröffneten die Niederlande das Themenjahr zum 125. Todesjahr von Vincent van Gogh. Auch in diesem Jahr erinnern zahlreiche Museen und weitere kulturelle Einrichtungen an das Leben des Ausnahmekünstlers. Eine Hommage an Van Gogh ist sicher, den Radweg abzufahren. Eine Fahrradtour ist insbesondere in den Abendstunden zu empfehlen. Der Weg liegt zwischen Nuenen und Eindhoven und ist auch Teil der Van-Gogh-Fahrradroute durch Nuenen, die zahlreiche Schauplätze aus seinem Leben mit einander verbindet. So kann man nicht nur viel über Van Goghs Leben und sein Werk erfahren, sondern auch die magische Wirkung dieses einzigartigen Radweges erleben.
Pure Magie in Lilles Kirche: Der Lotus Dome
Einen angemesseneren Ort für diese durch und durch faszinierende Installation Roosegaardes hätte man nicht finden können: Bereits in den Jahren 2010/2011 entstand in der Kirche Sainte Marie Madeleine im französischen Lille der Lotus Dome, ein lebendiges Gebilde aus hunderten von „Smart Flowers“, die zu einem interaktiven Spiel von Licht und Schatten einladen. Die Folie, aus der die Blüten bestehen, ist eine Entwicklung von Roosegaardes Designstudio und deren Hersteller, und besteht aus mehreren dünnen Lagen Mylar, die sich öffnen und schließen, je nachdem, wie Licht oder Wärme darauf treffen.

Wir haben die Renaissance upgedatet. Lotus Dome wurde für die Stadt Lille und deren Einwohner kreiert. Der Sinn war, das wunderschöne, aber verlassende Renaissance-Gebäude zu aktivieren und die Architektur lebendiger und zeitgemäßer zu machen.

DAAN VAN ROOSEGAARDE
Designer & Künstler

Die dynamische Beziehung zwischen Menschen und Technologie nennt Roosegaarde treffend „Techno Poetry“. Lotus Dome fungiere nach Roosegaarde als Mediator, der Elemente aus der Architektur und der Natur, der Vergangenheit und der Zukunft miteinander verbinde. Bei einer Berührung der eigens entwickelten Aluminiumfolien öffnen falten sich diese als „lebendige Mauer“ zusammen. Das beeindruckende Projekt, das nur noch bis 2013 live zu bestaunen war, war Teil der Ausstellung „FANTASTIC“ in Lille. Seine Dokumentation ging jenseits aktueller Erlebbarkeit in die Kunst- und Innovationsgeschichte ein. Ihm folgten zahlreiche ähnliche Lichtprojekte.
Amsterdam unter Wasser: Waterlicht als Warnung
Es ist die vielleicht politischste Aktion von Daan van Roosegaarde: Mit einer 1,6 Hektar großen Installation in und um Amsterdam visualisiert der Ausnahmedesigner die Gefahr der globalen Erwärmung. Im Auftrag der Gewässerbehörde für Rhein und Ijssel schuf Roosegaarde die bedeckende Lichtinstallation „Waterlicht“, die auf den ersten Blick nicht nur an flutende Wasserwogen, sondern ebenfalls an magische subpolare Nordlichter erinnert.
Die Ingridenzien des Kunstereignisses sind LED, Linsen und Software. Blaue Leuchtdioden erfahren durch die Linsensätze eine Lichtbündelung und werden durch softwaregesteuerte Motoren bewegt, so dass sich über den Köpfen der Betrachter Meereswellen zusammenfinden. Und diese rollen nicht von ungefähr durch den Amsterdamer Himmel: Die Wogen bewegen sich in exakt der Höhe über der Stadt, die auch das Meereswasser einnehmen würde – hätte der Mensch nicht Deiche und Schleusen errichtet.
Eindrucksvoller hätte man die Folgen der globalen Erwärmung nicht darstellen können: Über den Dächern Amsterdams hinweg tänzelt der fiktive Meeresspiegel. In Zeiten schmelzender Polkappen spitzt sich das Schicksal Amsterdams auch real langsam zu: Von zahlreichen Deichen geschützt, liegt die Stadt an manchen Stellen bis zu sechs Meter unter dem Meeresspiegel. In einer Nacht im Mai 2015 schlagen jedoch blaue Wellen sanft gegen die Häuserfassaden Amsterdams. Lautlos hat sich das Meer Teile der Stadt zurückerobert. Zu jenem schaurig-schönen Lichtspiel wurde Roosegaarde durch einen Kauf des Reichsmuseums inspiriert: Ein Gemälde aus dem Jahr 1651 des Malers Jan Asselijn zeigt ein Bild der Flut von Amsterdam.
Während Roosegardes Wellen aus azurblauem Licht in einer Höhe von drei bis fünf Meter sanft wogen, ist vielen Einwohnern bewusst geworden, was die Dämme Amsterdams für ihren Alltag wirklich bedeuten. Nur durch ein komplexes System aus rund 75 Pumpstationen bleiben die Einwohner der niederländischen Hauptstadt trocken. Durch das Pumpsystem wird permanent Wasser aus dem künstlich angelegten Amsterdamer Becken entfernt, das ohne diese direkt wieder unter Wasser stehen würde. Tag und Nacht befördert das städtische Wasser- und Maschinenamt das Meerwasser aus den tief liegenden Teilen der Stadt in höher gelegene Kanäle und in den Nordseekanal. Diese Maßnahmen retten Amsterdam vor einem langsamen Versumpfen.

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Wo Licht ist, ist auch
Daan van Roosegaarde

Er ist der Thomas Edison der Neuzeit, einer, der wie kein anderer Elektrizität und Licht mit Ästhetik und Sensitivität in Einklang bringt. Der Niederländer Daan van Roosegaarde ist einer der bekanntesten Innovatoren der Welt. Roosegaarde verknüpft fortschrittlichste Lichttechnik mit menschlichen Berührungen. Dabei herausgekommen sind außergewöhnliche Kunstwerke, auf die die ganze Welt schaut.
Solarfarbe auf Beton: Auf den Spuren von Vincent van Gogh
Es ist wohl sein bekanntestes Projekt: In der Nähe der niederländischen Stadt Neunen bei Eindhoven, wo der Maler Vincent van Gogh im Jahr 1883 gelebt hat, leuchtet ein Fahrradweg. Inspiriert von Van Goghs Gemälde „Sternennacht“, das seit 1941 im Besitz des Museum of Modern Art in New York ist und dort unter dem Titel „Starry Night“ gezeigt wird, hat Roosegaarde einen Van-Gogh-Radweg kreiert, der aus 50.000 fluoreszierenden Sternchen besteht und Radfahrern bei Dunkelheit den Weg weisen soll.
Der 600 Meter lange beleuchtete Fahrradweg befindet sich in dem Gebiet, von dem sich Van Gogh früher inspirieren ließ und in dem ein großer Teil seines Werks entstanden ist. So malte der Künstler hier nicht nur sein erstes Meisterwerk „Die Kartoffelesser“, sondern auch die Opwetten- und die Coll-Wassermühle. Genau zwischen diesen beiden Mühlen verläuft nun dieser einzigartige Fahrradweg.
Das Kunstprojekt der präparierten „Sternennacht auf Beton“ ist Teil der Reihe „Smart Highways“. Zu ihr zählen auch die „Glowing Lines“: Mittels photolumineszenter Farbe leuchten nun nachts die Fahrbahnstreifen auf einem Streckenabschnitt der niederländischen Autobahn N 329, der durch die Stadt Oss verläuft, in einem bläulichen Grün. Mit all diesen Aktionen will der Niederländer mit zusätzlicher Beleuchtung nicht nur triste Straßen verschönern, sondern auch sicherer machen.
Mindestens genauso wichtig ist Roosegaarde der Nachhaltigkeitsfaktor: Bei der für seine Projekte verwendeten Farbe handelt es sich um Solarfarbe, die sich tagsüber durch Sonnenlicht auflädt und dann bis zu acht Stunden leuchtet. Der Anspruch ist hoch. Und er ist gelungen: Roosegaardes Name steht für die Vereinigung von Design, Sicherheit und Klimaschutz.
Mit der Eröffnung der Van-Gogh-Fahrradroute am 13. November 2016 eröffneten die Niederlande das Themenjahr zum 125. Todesjahr von Vincent van Gogh. Auch in diesem Jahr erinnern zahlreiche Museen und weitere kulturelle Einrichtungen an das Leben des Ausnahmekünstlers. Eine Hommage an Van Gogh ist sicher, den Radweg abzufahren. Eine Fahrradtour ist insbesondere in den Abendstunden zu empfehlen. Der Weg liegt zwischen Nuenen und Eindhoven und ist auch Teil der Van-Gogh-Fahrradroute durch Nuenen, die zahlreiche Schauplätze aus seinem Leben mit einander verbindet. So kann man nicht nur viel über Van Goghs Leben und sein Werk erfahren, sondern auch die magische Wirkung dieses einzigartigen Radweges erleben.
Pure Magie in Lilles Kirche: Der Lotus Dome
Einen angemesseneren Ort für diese durch und durch faszinierende Installation Roosegaardes hätte man nicht finden können: Bereits in den Jahren 2010/2011 entstand in der Kirche Sainte Marie Madeleine im französischen Lille der Lotus Dome, ein lebendiges Gebilde aus hunderten von „Smart Flowers“, die zu einem interaktiven Spiel von Licht und Schatten einladen. Die Folie, aus der die Blüten bestehen, ist eine Entwicklung von Roosegaardes Designstudio und deren Hersteller, und besteht aus mehreren dünnen Lagen Mylar, die sich öffnen und schließen, je nachdem, wie Licht oder Wärme darauf treffen.

Wir haben die Renaissance upgedatet.
Lotus Dome wurde für die Stadt Lille und deren
Einwohner kreiert. Der Sinn war, das wunderschöne,
aber verlassende Renaissance-Gebäude zu aktivieren und
die Architektur lebendiger und zeitgemäßer zu machen.

DAAN VAN ROOSEGAARDE
Designer & Künstler

Die dynamische Beziehung zwischen Menschen und Technologie nennt Roosegaarde treffend „Techno Poetry“. Lotus Dome fungiere nach Roosegaarde als Mediator, der Elemente aus der Architektur und der Natur, der Vergangenheit und der Zukunft miteinander verbinde. Bei einer Berührung der eigens entwickelten Aluminiumfolien öffnen falten sich diese als „lebendige Mauer“ zusammen. Das beeindruckende Projekt, das nur noch bis 2013 live zu bestaunen war, war Teil der Ausstellung „FANTASTIC“ in Lille. Seine Dokumentation ging jenseits aktueller Erlebbarkeit in die Kunst- und Innovationsgeschichte ein. Ihm folgten zahlreiche ähnliche Lichtprojekte.
Amsterdam unter Wasser: Waterlicht als Warnung
Es ist die vielleicht politischste Aktion von Daan van Roosegaarde: Mit einer 1,6 Hektar großen Installation in und um Amsterdam visualisiert der Ausnahmedesigner die Gefahr der globalen Erwärmung. Im Auftrag der Gewässerbehörde für Rhein und Ijssel schuf Roosegaarde die bedeckende Lichtinstallation „Waterlicht“, die auf den ersten Blick nicht nur an flutende Wasserwogen, sondern ebenfalls an magische subpolare Nordlichter erinnert.
Die Ingridenzien des Kunstereignisses sind LED, Linsen und Software. Blaue Leuchtdioden erfahren durch die Linsensätze eine Lichtbündelung und werden durch softwaregesteuerte Motoren bewegt, so dass sich über den Köpfen der Betrachter Meereswellen zusammenfinden. Und diese rollen nicht von ungefähr durch den Amsterdamer Himmel: Die Wogen bewegen sich in exakt der Höhe über der Stadt, die auch das Meereswasser einnehmen würde – hätte der Mensch nicht Deiche und Schleusen errichtet.
Eindrucksvoller hätte man die Folgen der globalen Erwärmung nicht darstellen können: Über den Dächern Amsterdams hinweg tänzelt der fiktive Meeresspiegel. In Zeiten schmelzender Polkappen spitzt sich das Schicksal Amsterdams auch real langsam zu: Von zahlreichen Deichen geschützt, liegt die Stadt an manchen Stellen bis zu sechs Meter unter dem Meeresspiegel. In einer Nacht im Mai 2015 schlagen jedoch blaue Wellen sanft gegen die Häuserfassaden Amsterdams. Lautlos hat sich das Meer Teile der Stadt zurückerobert. Zu jenem schaurig-schönen Lichtspiel wurde Roosegaarde durch einen Kauf des Reichsmuseums inspiriert: Ein Gemälde aus dem Jahr 1651 des Malers Jan Asselijn zeigt ein Bild der Flut von Amsterdam.
Während Roosegardes Wellen aus azurblauem Licht in einer Höhe von drei bis fünf Meter sanft wogen, ist vielen Einwohnern bewusst geworden, was die Dämme Amsterdams für ihren Alltag wirklich bedeuten. Nur durch ein komplexes System aus rund 75 Pumpstationen bleiben die Einwohner der niederländischen Hauptstadt trocken. Durch das Pumpsystem wird permanent Wasser aus dem künstlich angelegten Amsterdamer Becken entfernt, das ohne diese direkt wieder unter Wasser stehen würde. Tag und Nacht befördert das städtische Wasser- und Maschinenamt das Meerwasser aus den tief liegenden Teilen der Stadt in höher gelegene Kanäle und in den Nordseekanal. Diese Maßnahmen retten Amsterdam vor einem langsamen Versumpfen.

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Daan van Roosegaarde

Category: Act
Er ist der Thomas Edison der Neuzeit, einer, der wie kein anderer Elektrizität und Licht mit Ästhetik und Sensitivität in Einklang bringt. Der Niederländer Daan van Roosegaarde ist einer der bekanntesten Innovatoren der Welt. Roosegaarde verknüpft fortschrittlichste Lichttechnik mit menschlichen Berührungen. Dabei herausgekommen sind außergewöhnliche Kunstwerke, auf die die ganze Welt schaut.
Solarfarbe auf Beton: Auf den Spuren von Vincent van Gogh
Es ist wohl sein bekanntestes Projekt: In der Nähe der niederländischen Stadt Neunen bei Eindhoven, wo der Maler Vincent van Gogh im Jahr 1883 gelebt hat, leuchtet ein Fahrradweg. Inspiriert von Van Goghs Gemälde „Sternennacht“, das seit 1941 im Besitz des Museum of Modern Art in New York ist und dort unter dem Titel „Starry Night“ gezeigt wird, hat Roosegaarde einen Van-Gogh-Radweg kreiert, der aus 50.000 fluoreszierenden Sternchen besteht und Radfahrern bei Dunkelheit den Weg weisen soll.
Der 600 Meter lange beleuchtete Fahrradweg befindet sich in dem Gebiet, von dem sich Van Gogh früher inspirieren ließ und in dem ein großer Teil seines Werks entstanden ist. So malte der Künstler hier nicht nur sein erstes Meisterwerk „Die Kartoffelesser“, sondern auch die Opwetten- und die Coll-Wassermühle. Genau zwischen diesen beiden Mühlen verläuft nun dieser einzigartige Fahrradweg.
Das Kunstprojekt der präparierten „Sternennacht auf Beton“ ist Teil der Reihe „Smart Highways“. Zu ihr zählen auch die „Glowing Lines“: Mittels photolumineszenter Farbe leuchten nun nachts die Fahrbahnstreifen auf einem Streckenabschnitt der niederländischen Autobahn N 329, der durch die Stadt Oss verläuft, in einem bläulichen Grün. Mit all diesen Aktionen will der Niederländer mit zusätzlicher Beleuchtung nicht nur triste Straßen verschönern, sondern auch sicherer machen.
Mindestens genauso wichtig ist Roosegaarde der Nachhaltigkeitsfaktor: Bei der für seine Projekte verwendeten Farbe handelt es sich um Solarfarbe, die sich tagsüber durch Sonnenlicht auflädt und dann bis zu acht Stunden leuchtet. Der Anspruch ist hoch. Und er ist gelungen: Roosegaardes Name steht für die Vereinigung von Design, Sicherheit und Klimaschutz.
Mit der Eröffnung der Van-Gogh-Fahrradroute am 13. November 2016 eröffneten die Niederlande das Themenjahr zum 125. Todesjahr von Vincent van Gogh. Auch in diesem Jahr erinnern zahlreiche Museen und weitere kulturelle Einrichtungen an das Leben des Ausnahmekünstlers. Eine Hommage an Van Gogh ist sicher, den Radweg abzufahren. Eine Fahrradtour ist insbesondere in den Abendstunden zu empfehlen. Der Weg liegt zwischen Nuenen und Eindhoven und ist auch Teil der Van-Gogh-Fahrradroute durch Nuenen, die zahlreiche Schauplätze aus seinem Leben mit einander verbindet. So kann man nicht nur viel über Van Goghs Leben und sein Werk erfahren, sondern auch die magische Wirkung dieses einzigartigen Radweges erleben.
Pure Magie in Lilles Kirche: Der Lotus Dome
Einen angemesseneren Ort für diese durch und durch faszinierende Installation Roosegaardes hätte man nicht finden können: Bereits in den Jahren 2010/2011 entstand in der Kirche Sainte Marie Madeleine im französischen Lille der Lotus Dome, ein lebendiges Gebilde aus hunderten von „Smart Flowers“, die zu einem interaktiven Spiel von Licht und Schatten einladen. Die Folie, aus der die Blüten bestehen, ist eine Entwicklung von Roosegaardes Designstudio und deren Hersteller, und besteht aus mehreren dünnen Lagen Mylar, die sich öffnen und schließen, je nachdem, wie Licht oder Wärme darauf treffen.

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DAAN VAN ROOSEGAARDE
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Die dynamische Beziehung zwischen Menschen und Technologie nennt Roosegaarde treffend „Techno Poetry“. Lotus Dome fungiere nach Roosegaarde als Mediator, der Elemente aus der Architektur und der Natur, der Vergangenheit und der Zukunft miteinander verbinde. Bei einer Berührung der eigens entwickelten Aluminiumfolien öffnen falten sich diese als „lebendige Mauer“ zusammen. Das beeindruckende Projekt, das nur noch bis 2013 live zu bestaunen war, war Teil der Ausstellung „FANTASTIC“ in Lille. Seine Dokumentation ging jenseits aktueller Erlebbarkeit in die Kunst- und Innovationsgeschichte ein. Ihm folgten zahlreiche ähnliche Lichtprojekte.
Amsterdam unter Wasser: Waterlicht als Warnung
Es ist die vielleicht politischste Aktion von Daan van Roosegaarde: Mit einer 1,6 Hektar großen Installation in und um Amsterdam visualisiert der Ausnahmedesigner die Gefahr der globalen Erwärmung. Im Auftrag der Gewässerbehörde für Rhein und Ijssel schuf Roosegaarde die bedeckende Lichtinstallation „Waterlicht“, die auf den ersten Blick nicht nur an flutende Wasserwogen, sondern ebenfalls an magische subpolare Nordlichter erinnert.
Die Ingridenzien des Kunstereignisses sind LED, Linsen und Software. Blaue Leuchtdioden erfahren durch die Linsensätze eine Lichtbündelung und werden durch softwaregesteuerte Motoren bewegt, so dass sich über den Köpfen der Betrachter Meereswellen zusammenfinden. Und diese rollen nicht von ungefähr durch den Amsterdamer Himmel: Die Wogen bewegen sich in exakt der Höhe über der Stadt, die auch das Meereswasser einnehmen würde – hätte der Mensch nicht Deiche und Schleusen errichtet.
Eindrucksvoller hätte man die Folgen der globalen Erwärmung nicht darstellen können: Über den Dächern Amsterdams hinweg tänzelt der fiktive Meeresspiegel. In Zeiten schmelzender Polkappen spitzt sich das Schicksal Amsterdams auch real langsam zu: Von zahlreichen Deichen geschützt, liegt die Stadt an manchen Stellen bis zu sechs Meter unter dem Meeresspiegel. In einer Nacht im Mai 2015 schlagen jedoch blaue Wellen sanft gegen die Häuserfassaden Amsterdams. Lautlos hat sich das Meer Teile der Stadt zurückerobert. Zu jenem schaurig-schönen Lichtspiel wurde Roosegaarde durch einen Kauf des Reichsmuseums inspiriert: Ein Gemälde aus dem Jahr 1651 des Malers Jan Asselijn zeigt ein Bild der Flut von Amsterdam.
Während Roosegardes Wellen aus azurblauem Licht in einer Höhe von drei bis fünf Meter sanft wogen, ist vielen Einwohnern bewusst geworden, was die Dämme Amsterdams für ihren Alltag wirklich bedeuten. Nur durch ein komplexes System aus rund 75 Pumpstationen bleiben die Einwohner der niederländischen Hauptstadt trocken. Durch das Pumpsystem wird permanent Wasser aus dem künstlich angelegten Amsterdamer Becken entfernt, das ohne diese direkt wieder unter Wasser stehen würde. Tag und Nacht befördert das städtische Wasser- und Maschinenamt das Meerwasser aus den tief liegenden Teilen der Stadt in höher gelegene Kanäle und in den Nordseekanal. Diese Maßnahmen retten Amsterdam vor einem langsamen Versumpfen.

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By |2018-04-03T14:32:02+00:00Oktober 2nd, 2017|PEOPLE|Kommentare deaktiviert für Wo Licht ist, ist auch Daan van Roosegaarde