Wasser ist die Basis allen Lebens. Inzwischen ist es zudem vermutlich das medienwirksamste Naturelement. So lesen wir regelmäßig, dass Millionen von Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser haben – derzeit sind es erschreckende elf Prozent der Bevölkerung. Ein Aufschrei geht durch die Presse, wenn Firmen wie Nestlé Wasser privatisieren möchten, um es dann teuer wieder zu verkaufen. Und manche Politikwissenschaftler befürchten, Wasserknappheit wird zukünftigen Kriegen zugrunde liegen. Dass jeder Einzelne ein Recht auf Wasser hat, scheint dabei zunächst selbstverständlich. Doch ein solches Recht konkret zu definieren und damit eine effektive Verteilung und Versorgung von Wasser zu ermöglichen, ist wesentlich komplexer als es scheint. Rechtswissenschaftler versuchen der Frage auf den Grund zu gehen, wie ein Gesetz für Wasser aussehen könnte. Wie viel Wasser benötigt ein Mensch am Tag und welche Verwendung sollte dabei festgeschrieben sein? Hat Wasser einen Preis? Wozu genau sind Staaten verpflichtet? Und wer sorgt schließlich für die Einhaltung diese Rechtes?

WOLKENFISCHER –
WIE MIT NETZEN WASSER GEERNTET WIRD

Category: Innovation

Foto: Aqualonis GmbH
Wasser ist die Basis allen Lebens. Inzwischen ist es zudem vermutlich das medienwirksamste Naturelement. So lesen wir regelmäßig, dass Millionen von Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser haben – derzeit sind es erschreckende elf Prozent der Bevölkerung. Ein Aufschrei geht durch die Presse, wenn Firmen wie Nestlé Wasser privatisieren möchten, um es dann teuer wieder zu verkaufen. Und manche Politikwissenschaftler befürchten, Wasserknappheit wird zukünftigen Kriegen zugrunde liegen. Dass jeder Einzelne ein Recht auf Wasser hat, scheint dabei zunächst selbstverständlich. Doch ein solches Recht konkret zu definieren und damit eine effektive Verteilung und Versorgung von Wasser zu ermöglichen, ist wesentlich komplexer als es scheint. Rechtswissenschaftler versuchen der Frage auf den Grund zu gehen, wie ein Gesetz für Wasser aussehen könnte. Wie viel Wasser benötigt ein Mensch am Tag und welche Verwendung sollte dabei festgeschrieben sein? Hat Wasser einen Preis? Wozu genau sind Staaten verpflichtet? Und wer sorgt schließlich für die Einhaltung diese Rechtes?
ÜBER DEN WOLKEN
Doch selbst wenn diese Fragen geklärt sein sollten, bleibt ein Problem: Wasser ist knapp. Viele Ingenieure, Klimatologen und andere kluge Köpfe haben es sich daher zur Aufgabe gemacht Systeme zu entwickeln, mit der die Ressource nachhaltiger genutzt werden kann. In Marokko arbeitet eine Wasserstiftung in Zusammenarbeit mit der Firma Aqualonis an einem effizienten Weg der Wassergewinnung. Woher das Wasser kommt? Aus Nebel. Und davon gibt es in Marokko jede Menge. Regnen tut es hier selten, doch die vom Ozean wehenden Luftmassen bringen viel Wasser mit und schlagen sich in dunstigem Nebel wieder, wenn sie auf die Bergketten des Atlas Gebirges stoßen. Eine Wolke mit Bodenkontakt, so lautet die genaue Definition für die silbergrauen Ansammlungen von winzig kleinen Wassertröpfchen. Wer also mal sorgenlos wie Reinhard Mey über den Wolken schweben möchte, muss bloß in die neblige Morgendämmerung tanzen. Um ein bisschen mehr Sorglosigkeit kümmern sich auch die Nebelfänger von Peter Trautwein, CEO von Aqualonis. Was sich anhört wie die Figur auf einer Tarot-Karte hat mit mystischen Kräften wenig zu tun. Vielmehr kommen hier die Gesetze der Physik zum Tragen.

Fotos: Aqualonis GmbH
WASSERVERSORGUNG FÜR MENSCH UND TIER
Hoch oben auf den Berggipfel, senkrecht zum Wind stehen patentierte „Cloud Fisher“, um das Nebelwasser einzufangen. Was sich jetzt wiederum anhört wie ein Hollywood Blockbuster, ist ein einfaches System: die Wolkentropfen haften an den feinen Maschen der Netze, akkumulieren sich zu immer größeren Wasserkugel bis schließlich die Gravitation siegt und sie abwärts in eine Auffangrinne befördert. Auf diese Weise können nahe der Stadt Sidi Ifni an einem nebligen Tag mindestens 34.000 Liter Trinkwasser geerntet werden. Jüngst wurde hier in Kooperation mit der Wasserstiftung der größte Nebelkollektor-Park der Welt fertiggestellt. Insgesamt 31 Kollektoren fischen hier im Nebel. Besonders erstaunlich: Das gewonnene Wasser entspricht den Standards der Weltgesundheitsorganisation und ist sofort verwendbar. In einem der trockensten Gebiete Marokkos versorgt das vom BMZ geförderte Projekt so nun 1250 Menschen mit frischem Wasser und ermöglicht Ackerbau sowie die Haltung von 700 Nutztieren.
ITS NOT AS EASY AS IT LOOKS
Vor allem in abgeschieden Dorfkommunen mit schwacher Infrastruktur können die Nebel-Netze einer Wasserknappheit entgegenwirken und einen Beitrag zur Erreichung der von den UN festgelegten „Globals Goals“ mit einer gesicherten Wasserversorgung für alle Menschen leisten. Der Eingriff in die Umwelt ist minimal und die dunklen Netze scheinen sich geisterhaft in die neblige Gebirgslandschaft zu integrieren. Dennoch ist der Erfolg der Wolkenfischer von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Zunächst müssen bis zu zwölfmonatige Pilotprojekte das Potential der Regionen analysieren. Spielen Klima und Relief nicht mit, können die geernteten Mengen auf unter einen Liter pro Tag und Quadratmeter sinken und es ist es fraglich, ob die Investition sich langfristig lohnt. Denn der Aufbau der Kollektoren ist kostspielig und wird meist von Organisationen wie der Wasserstiftung getragen. Ist die Finanzierung geklärt und die Nebelsammler stehen, so besteht das Risiko einer fehlerhaften Wartung und des Verfalls der Anlagen durch die lokale Bevölkerung. Die starken Winde können die Netze zerstören und nur eine dauerhafter Evaluation der geernteten Liter stabilisiert den Erfolg eines Projektes. Schließlich bleibt die Frage, ob die inländische Regierung sich bereiterklärt, die Instandhaltungskosten zu übernehmen und die Netze in das Versorgungsnetzwerk zu integrieren.
ZUKUNFTSWEISEND
Um diesen Risiken entgegenzuwirken, arbeitet die Wasserstiftung mit sorgfältig ausgewählten NGOs vor Ort zusammen. Inzwischen kann die in der Nähe von München ansässige Organisation auf eine ganze Reihe erfolgreicher Projekte zurückblicken. Während an anderer Stelle noch über die genaue Definition eines Menschenrechts auf Wasser diskutiert wird, setzen sich gemeinnützige Stiftungen und Firmen wie Aqualonis mit ihren innovativen Technologien bereits für dessen Umsetzung ein.

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By |2019-04-04T14:25:48+00:00April 4th, 2019|INNOVATION|Kommentare deaktiviert für WOLKENFISCHER – WIE MIT NETZEN WASSER GEERNTET WIRD